Die schöne, immer selbe Medienwelt

In Österreich gibt es seit 2004 das Magazin DATUM. Im ersten Erscheinungsjahr habe ich als stets an Diversität interessierte Medienkonsumentin erfreut alle Ausgaben gelesen und war mit der Bandbreite des Gebotenen und andererseits der Tiefe des Recherchierten durchaus zufrieden. Aufgehört habe ich eigentlich nur aus persönlichen Ressentiments gegenüber der egalitär-liberalen Grundeinstellung, ÖVP-Inserate im augenscheinlich kritisch-grünen Intellektuellenblatt zu positionieren (heute muss ich zugeben, dass wohl jeder, der von Werbung lebt, nicht nur den eigenen Gesinnungs-Buddys seinen Anzeigenplatz verkaufen kann).
Meine Datumlektüre schlief ein bis Herr P. nun über die iPadApp Gefallen daran gefunden hat. Da les ich natürlich auch mal rein, und was schreit mir Bestätigung entgegen? In einem Artikel der jüngsten Ausgabe über den europaweiten Rechtsruck und Konservativismus à la amerikanischer Tea-Party-Bewegung wird Michael Fleischhacker von der “Presse” als scharfsinnige analytische Instanz per Zitat angeführt (“Fleischhacker konstatiert eine generelle Politik- und Systemverdrossenheit bei den Menschen. ‘Das ist inzwischen ein Megatrend in Europa, nicht nur bei uns. (…)’”. Bitte, geht’s noch reaktionärer? Kann man das nächste Mal vielleicht die objektiven Ansichten des Papstes in einem Text zur Liberalisierung von Abtreibung ins Rennen führen?
Wie die Faust aufs Auge passt dazu dieses Zitat aus der Selbstcharakterisierung des Magazins auf dessen Homepage: “DATUM ist kein weiteres Angebot im österreichischen
Blätterwald, sondern die Alternative dazu.” (Quelle)

Ich kann gar nicht eloquent ausdrücken, wie sehr mir diese wirtschaftsliberal-wertkonservative Grundhaltung, die einem grad (wieder?) aus jeder Ecke entgegengrinst, zuwider ist. Gar nicht so neu, die schöne Medienwelt!

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